Programm

literarischer_herbst_wein„Ja“
Hochzeit im Pfarrhof
18.9.2016, 11 Uhr

Ans Licht! Durchblicke! Blaue Reiter!
Im „Orplid in Isarland“
25.9., 11 Uhr

Alle Neune! Mit Kind und Kegel!
Auf der Kegelbahn
1.10.2016, 15 Uhr

Es treibt so voll und farbenprächtig
DADA und Emmy Ball-Hennings im Treibhaus
2.10.2016, 17 Uhr

Verlassen: aufgelassen?
Die Sehnsucht nach dem Ausflug
8.10.2016, 15 Uhr

Lichtaufnahmen in der Dunkelkammer
Maria „Mia“ Bernoulli – die starke Frau neben Hermann Hesse
22.10.2016, 15.00 Uhr

Es ist alles eine Geschichte
Von Palmyra, Syrien nach Bratanium, Gauting​​​​​​​
29.10.2016, 15.00 Uhr


 

Sonntag, 18. September, 11.00 Uhr

„Ja“

Hochzeit im Pfarrhof

Laura Maire und Johannes Öllinger

1_jaVon Menschen, die „Ja“ sagen, kann es gar nicht genug geben. Allerdings fügen viele Menschen, auch sattsam bekannt als Bedenkenträger, diesem „Ja“ ein „Aber“ hinzu, so dass daraus ein „Ja, aber“ wird. In und vor dem Standesamt in Unterbrunn, dem vormaligen Pfarrhaus, erbaut in reinstem
Jugendstil, wird in diesen zwei Stunden ein kräftiges „Aber ja!“ laut. Ein Musiker und eine Schauspielerin geben sich – im künstlerischen Spiel – das Ja-Wort. Zur Musik werden Gedichte aus der Zeit des Jugendstil zu hören sein: von Rilke, Dauthendey, Hartleben und natürlich auch von Bert Brecht, sowie Hochzeitserzählungen zum Beispiel von Lena Christ und Marieluise Fleißer. Seien Sie unsere Hochzeitsgäste, die so ganz nebenbei einiges über die Geschichte dieses architektonischen Juwels in unserem Landkreis erfahren, und sagen Sie: „Ja!“ Sie sind herzlich willkommen!

Pfarrhof Unterbrunn, Kirchstr. 15,
82313 Gauting/Unterbrunn

 

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Sonntag, 25. September, 11.00 Uhr

Ans Licht! Durchblicke! Blaue Reiter!

Im „Orplid in Isarland“

Elisabeth Carr, Gerd Holzheimer

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Foto: Peter Witzan

Orplid in Isarland ist eine der Perlen in der Schatzkiste unseres gesegneten Landstrichs, die Eingeweihte vor allem ausder Kunstszene kennen, aber noch weiterer Entdeckung
harren. Der Literarische Herbst ist zu Gast in diesem ehemaligen Pferdegestüt und will ihn auf seine Weise zum Klingen bringen. Die auch dunkle Geschichte dieses Ortes wird dabei nicht verschwiegen. Bei einem kleinen Rundgang kann man sich überlegen, was eigentlich das Wesen dieser Architektur ausmacht und was sie in einem auslöst.

Auch die „Zucht“ und „Züchtung“ thematisieren wir. Alinde Rothenfußer entwickelt nun mit zeitgenössischen Künstlern
eine ganz eigene, neue und lichte Atmosphäre. Unser Stationenweg führt durch die Stockwerke aus den vergangenen Niederungen über die Kunst ans Licht in Orplids Land, das Mörike im Gesang Weylas poetisch begründet hat: „Du bist Orplid, mein Land!/Das ferne leuchtet;/Vom Meere dampfet dein besonnter Strand/Den Nebel, so der Götter Wange feuchtet.“

Aus dem Fenster des obersten Stockwerks des ehemaligen Getreidespeichers, jetzt Orplids Land, geht der Blick auf die Berge in das Land des Blauen Reiters. So entsteht eine poetische Einheit aus Raum und Zeit, Farbe, Ton und Form.

„Orplid in Isarland“
Heimatshausen 1B, 82319 Starnberg/Percha

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Samstag, 1. Oktober, 15.00 Uhr

Alle Neune! Mit Kind und Kegel!

Auf der Kegelbahn

Peter Weiß

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Foto: Cedric Carr

Das Ludwig-Thoma-Jahr 2017 wirft seine langen Schatten voraus – bis in die historische Kegelbahn von Maising hinein. „Kind und Kegel“ sind ein großes Thema der bairischen
Mentalität ebenso wie in der Literatur. Mit dieser Redewendung war einmal gemeint, dass man „mit Sack und Pack“ kommt, also mit dem ganzen Hausstand, aber auch mit all den Menschen, die dazugehören, also mit den ehelichen wie auch unehelichen Kindern (althochdeutsch „kegil“ bedeutet „Knüppel“ und auch „lediges Kind“). Eine Kegelbahn ist eine ideale Ausgangssituation, um sich über diverse kulturelle Muster seine Gedanken zu machen: über das Aufbauen und Wiedereinreißen, das jedes Kind mit seinem Holzklötzen nachvollzieht bis zum Kegelspiel als spielerischer Vorgang eines Gegeneinanders zweier Parteien, die sich Gott sei Dank nicht bekriegen, sondern eben nur spielen, freilich mit all dem gebotenen Ernst, um ausrufen zu können: „Mir ham!“ oder „alle Neune!“ – bis eben zum Kinderkriegen. Da fehlt es nicht an Beispielen aus der bairischen Literatur wie etwa Die Probier von Ludwig Thoma, Der Jäger von Fall von Ganghofer oder Der Theodor-Verein von Oskar Maria Graf und anderen Texten.

Gasthaus Georg Ludwig, Ortsstr.16,
82343 Maising/Pöcking

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Sonntag, 2. Oktober, 17.00 Uhr

Es treibt so voll und farbenprächtig

DADA und Emmy Ball-Hennings im Treibhaus

Belle Schupp

Palmenhaus, © Charlotte Mumm, 2016

Palmenhaus, © Charlotte Mumm, 2016

DADA ist im Jahr des DADA (wg. 100 Jahre-Jubliäum) für manche nur „Gaga“. Was aber steht dahinter. Die Karawane des Hugo Ball? Ja, die auch. Und auch seine Frau Emmy Ball-Hennings als eine Blüte im Treib- und Tollhaus DADA. Die wilde, leidenschaftliche, exzentrische, naiv, respektlose und sehr warmherzige Frau und Allesspielerin – „von einer Spielgier besessen, von einer Wander- und Weglauf, von einer Melodiesucht … als triebe mich ein Dämon“ – , die Dichterin, Diseuse und Vielgeliebte war gleichermaßen gefährdete Grenzgängerin wie schöpferische Überlebenskünstlerin. Sie lernt Drogen, Prostitution und Gefängnis kennen und verarbeitet diese Erfahrungen künstlerisch, ebenso getrieben und waghalsig. Als großes Organisationstalent gründet sie 1916 zusammen mit ihrem späteren Mann, Hugo Ball, und Hans Arp, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck, u.a. in Zürich das „Cabaret Voltaire“, die Geburtsstätte des Dada, ein experimentelles, von allen akademischen und bürgerlichen Konventionen befreites künstlerisches Forum. Auch auf dieser Bühne treibt sie ihr dichterisches Spiel ungebremst weiter. Das „Treibhaus“ des Künstlerhauses Villa Waldberta wird zum passenden Kunstraum. Emmy Ball-Hennings zeigt sich dabei in ihrer schillernden, psychischen Vielschichtigkeit, vorbehaltlos und … entblößt. Der Abend schließt mit der Liebeserklärung des Kurt Schwitters an Anna Blume: „Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir! Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- wir?“

Villa Waldberta, Palmenhaus
Höhenbergstr. 25, 82340 Feldafing

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Samstag, 8. Oktober, 15.00 Uhr

Verlassen: aufgelassen?

Die Sehnsucht nach dem Ausflug

Judith Huber, Max Grosch

Foto: Gerd Holzheimer

Foto: Gerd Holzheimer

Obermühlthal gehört zu den klassischen Ausfl ugszielen der Region, genauer gesagt: gehörte. Seit Jahr und Tag modert das schöne Wirtshaus mit dem idyllischen Biergarten allein und verlassen dahin, vis à vis von dem Bahnhof, an dem man früher ausgestiegen ist, voller Vorfreude. Einem Bahnhof, der „Süden“ verheißen hat, mit seinen Farben und Säulen ein toskanisches Lebensgefühl des dolce far niente, des süßen Nichtstuns. Mit der Einstellung des Bahnbetriebs war auch das Schicksal der Wirtschaft besiegelt. Als wäre die Pest ausgebrochen, haben die letzten Pächter das Gebäude verlassen. Noch immer liegt die Sylvester-Ausgabe vom 29.12.2009 mit den „Menschen des Jahres“ auf dem Tisch vor der Vase voller Plastikblumen. Manches ist versucht worden, um diesen Ausflugsort mit weiterem Leben zu erfüllen, mit Jazz-Musik zum Beispiel, die bei dieser Wiederbegegnung auch zu hören sein wird. Angebote aus dem Rotlicht-Milieu, das Anwesen zu pachten, wurden von den Eigentümern ausgeschlagen, gleichwohl soll mit einer Geschichte von Herbert Rosendorfer auch diese Möglichkeit imaginiert werden. Andere Texte zeichnen die Thematik verlassener Orte nach, wie sie überall auf der Welt entstehen. Von August Kühn, Verfasser der Arbeiter-Buddenbrooks, wird eine Erinnerung an das Brotzeitpaket einer Arbeiterfamilie wachgerufen. Wer Lust hat, für zwei Stunden Gast in einer Wirtschaft zu sein, die es nicht mehr gibt, also auch nichts zu essen und nichts zu trinken und auch keine Toiletten, aber über tempipassati nachzusinnen, sei herzlich eingeladen.

Obermühlthal 130, 82319 Starnberg

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Samstag, 22. Oktober, 15 Uhr

Lichtaufnahmen in der Dunkelkammer

Maria „Mia“ Bernoulli – die starke Frau neben Hermann Hesse

Minouche Bernoulli

Maria Bernoulli, etwa 1903 Aufnahme T. Bernoulli, Privatbesitz Hesse-Haus, Gaienhofen

Maria Bernoulli, etwa 1903
Aufnahme T. Bernoulli, Privatbesitz
Hesse-Haus, Gaienhofen

Sie war seine erste Frau, Mutter der drei Kinder – und geisteskrank. So „geisterte“ Maria „Mia“ Bernoulli durch die Literatur. Der genaue, der fotografi sche Blick offenbart jedoch eine selbstbewusste und begabte Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Statt wie üblich, früh zu heiraten, eröffnete die ausgebildete Fotografi n gemeinsam mit ihrer Schwester – als erste Schweizerinnen – in Basel, der Stadt ihrer hoch angesehenen Familie, ein Atelier für Kunstfotografie. In einer ihrer Ausstellungen begegnete sie 1903 dem noch weitgehend
unbekannten Schriftsteller. Sie wurde der kraftvolle Motor an seiner Seite, entdeckte das kleine Bauerndorf Gaienhofen auf einer Halbinsel am Bodensee, gründete mit H. H. eine Familie, erzog die Kinder, baute mit ihm ein Haus, bewirtschaftete den legendären Garten und verband als Gastgeberin ländliche Tradition mit aufbrechender Avantgarde. Von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, fotografierte sie weiter und entwickelte die Aufnahmen in ihrer Dunkelkammer – und die Dunkelheit sollte ihr Schicksal werden. Dennoch nahm sie, auch nachdem sich Hesse von ihr getrennt hatte, ihr Leben wieder selbst in die Hand. Sie starb
1963 im Alter von 95 Jahren – im selben Jahr, in dem ihre Nachfahrin, die Autorin und Journalistin Minouche Bernoulli geboren wurde. Im Fotoatelier des Künstlers Andreas Rumland wird mit Briefen, Fotos und Filmausschnitten in die scheinbare Dunkelheit dieser starken und kreativen Persönlichkeit geleuchtet.

atelier-ar.de, Possenhofenerstr. 24, 82319 Starnberg

 

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Samstag, 29. Oktober, 15 Uhr

Es ist alles eine Geschichte

Von Palmyra, Syrien nach Bratananium, Gauting

Matthias Friedrich

7_alles_geschichteMit einem Blick auf eine historische Karte sieht man, dass Bratananium/Gauting und Palmyra, dem inzwischen zerstörten Weltkulturerbe im heutigen Syrien, einmal jeweils Orte ein und desselben Reiches gewesen sind, innerhalb des Imperium Romanum, und deren Bürger wenn auch nicht Vollbürger so doch Mitglieder dieses Reiches waren. In unseren Tagen sehen sich die einen genötigt, zu den anderen zu fliehen.
Beim Aushub für ein Flüchtlingsheim unweit des Gautinger Sportplatzes, das dann gar nicht aufgebaut worden ist, haben Archäologen den defi nitiven Übergang der Römerstraße
über die Würm gefunden. Von diesem Fund wird die Rede sein bei dieser Veranstaltung, mit einer Lesung römischer Literatur, also klassischer lateinischer Autoren, die hier wie dort gelesen und verstanden worden sind: zum Beispiel Vergil, Ovid, Marc Aurel. Diese Texte werden mit aktueller arabischer, in dem Fall syrischer Literatur zusammengebracht, Anlass, vielleicht noch einmal ganz von Neuem über diese unsere – letztlich gemeinsame – Situation nachzudenken.
Ort und Treffpunkt ist der Park von Schloß Fußberg, auch bei sogenanntem schlechten Wetter. Für ein Dach über dem Kopf ist in solchem Falle gesorgt!

Schloss Fußberg, 82131 Gauting

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